Kolumne EINE AUTOBAHN IST KEIN HIGHWAY*

Finger weg von meiner Paranoia – ⠀
Leute wie ich. 

Ich habe gesehen, dass ganz tolle Menschen momentan über Einsamkeit berichten. Finde ich super. Und wichtig. Denn die aktuelle Situation ist echt hart, für viele. Und ich sehe das und die Sorgen, die viele haben und möchte einfach helfen.

Ich bin keine Therapeutin oder Ähnliches, aber ich lebe schon einige Jahre ziemlich isoliert. Die wenigen Abende, die ich in den letzten fünf Jahren nicht zu Hause verbracht habe kann ich an zwei Händen abzählen. Und jetzt nach all dieser Zeit befinde ich mich auf einmal in einer Situation, in der mein Lebensentwurf plötzlich zum Vorteil wird. Denn für mich sind die Veränderungen eher gering. Deswegen möchte ich meine Erfahrungen und Gedanken der letzten Jahre teilen.

Und wer weiß vielleicht ist es beruhigend für den ein oder anderen diese Dinge zu lesen und zu wissen: Die sagt jemand, der bereits Erfahrung mit ähnlichen Situationen hat. 

Ich will hier aber weniger von meiner Einsamkeit, als von meinen Lösungen erzählen, denn wie gesagt über Einsamkeit wird momentan schon oft gesprochen und das können andere sicher auch besser als ich. Also bitte, wenn du traurig oder schrecklich allein bist, wende dich an Freunde, Familie oder an einen Therapeuten. Angst zu haben oder sich traurig zu fühlen hat nichts mit Schwäche zu tun und ist nichts, wofür man sich schämen muss. Ich empfinde es als große Stärke zu zugeben, dass man z.B. Angst hat und sich Hilfe sucht. Dabei kann ich leider nicht unterstützen. Für weniger intensive Gefühle oder Situation findet sich vielleicht ein wenig Halt in meinen Texten.

Was ich als Erstes anbieten kann, ist das Wissen, dass es nicht so schlimm wird wie befürchtet. 

Es liegt ja irgendwie in der Natur von uns Menschen, dass wir auf Veränderungen vor allem wenn wir sie nicht selbst herbei geführt haben eher skeptisch und ängstlich reagieren. Und oft ist das ja auch sehr gut. In der jetzigen Situation allerdings müssen wir über unseren Schatten springen. 

Und nur mal so am Rande, mein Glas war früher auch nicht immer halb voll. Bevor ich zum Punk kam, war ich ein Emo – Teenager mit der Vorliebe für traurige Bücher und Musik. Es gibt bestimmt Studien die belegen, dass einige Menschen eher dazu neigen an Dingen zu verzweifeln oder Angst vor neuen Situationen haben. Kann sein. Aber ich ignoriere solche Aussagen gern.

Warum ich das erwähne? Weil heut mit Kind fürs Zaudern und Zweifeln kein Platz ist. Ich bin kein Verzweifler. Aber das war eben nicht immer so. Ich habe das gelernt. Ich habe gelernt, mit meiner Situation anders umzugehen. Und dieser Gedanke hat doch irgendwie etwas Tröstliches, oder? Das bedeutet nämlich für dich, wenn ich das kann, dann kannst du das auch. Und das meine ich nicht Scientology mäßig oder spirituell. 

Ich verbringe meine Abende fast ausschließlich zu Hause und allein und ich bin weder vereinsamt noch habe ich eine Depression entwickelt. 

Nach langem Hadern mit meiner Situation, meinem neuen Leben, nach vielen Versuchen mich einzufinden, musste ich feststellen, dass das alles einfach nicht funktionieren wollte. Es hat dann noch etwas gedauert, denn bei mir dauern manche Dinge eben etwas länger bis mir klar wurde, dass es auch nicht funktionieren konnte. Denn ich hatte, bei allem was ich tat immer im Kopf, dass ich das hier so nicht wollte und mir nie freiwillig ausgesucht hätte. Ich dachte, dass ich meine Energie darauf setzte mich besser zu fühlen, aber unterbewusst ballerte ich alles in ergebnislosen Gedanken.

Nach dieser Erkenntnis dauerte es noch einmal eine Zeit bis ich vor allem die Wut darüber, dass ich nicht mehr wütend sein sollte, dass ich mich nicht mehr dagegen sträuben durfte, wenn ich weiter kommen wollte, los wurde. Ich genoss es, mich darüber aufzuregen, ich genoss den Hass und die Wut, die ich unbewusst, wie einen Schutzschild vor mir hertrug. Doch selbst jemand wie ich musste irgendwann einsehen, dass das so alles nichts brachte. Am wenigsten mir. Ich hatte es mir nicht ausgesucht, aber es war nun einmal so. Und mit jedem Stück Akzeptanz kam auch eine innere Ruhe zurück und das Gefühl die Kontrolle über mein Leben zu haben. Wie widersprüchlich das doch ist:

Durch die Akzeptanz des Kontrollverlustes, die Kontrolle zurückzubekommen. Verrücktes ich. 

Meine Lösung war so ungewollt wie einfach: meine Einstellung zur Lage. Ich änderte meine Gedanken, wie ich über die Sache dachte, wie ich mich damit beschäftigte und beseitigte die Hürden in meinem Kopf „ich will, dass hier nicht“ & „das habe ich mir nicht ausgesucht“ kurzerhand.

*UNSER KOLUMNEN-TITEL IST VON JAN PLEWKA INSPIRIERT, DER GENAU DIESEN SATZ EINMAL SAGTE.

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