ZU-STANDS-be-SCHREI-bunG

The struggle is real.

Die Beteiligung vieler social aktiver Menschen, die zahlreiche andere Menschen erreichen, an der Berichterstattung zur momentan Situation finde ich wunderbar. Dabei weisen sie immer wieder auf Fake News hin, klären auf und informieren. Geben Tipps und unterhalten. Alles sehr wichtig, wenn man bedenkt, dass diese Situation für viele Menschen vor allem psychisch eine große Herausforderung ist. Die meisten der jetzt ins Homeoffice geschickten Personen haben keinerlei Erfahrung damit und stehen nun vor einigen neuen Herausforderungen. Aber vor allem sind es die Angst, die Sorgen, die Phantasie, die diese Situation zu einer enormen Aufgabe machen. 

Umso wichtiger ist es, dass die Leute in ihrer Angst und der Überforderung durch Menschen von denen sie sich vielleicht inspiriert fühlen, deren Meinung sie zumindest konsumieren aufgefangen werden. Soweit so gut. 

Doch alles hat wohl zwei Seiten, nicht nur die Medaille und die Wurst.  

Was mich nun seit einigen Tagen immer wieder beschäftigt ist das Gefühl der fehlenden Empathie, das fehlende Verständnis für den Anderen. Gepaart mit einer ziemlich dummen und irgendwie deutschen Angewohnheit von der eigenen Meinung so angegeilt zu sein, dass man den anderen gar keinen Raum mehr für ihre Ansichten einräumt. Hier ist meine Meinung und die ist wahr und du hast unrecht. Wie dumm, das doch ist.

Und wie unvermessen und wenig zärtlich. 

Da beginnen die einen die Virus-Krise gegen die Klima-Krise auszuspielen, oder versuchen die eine für die andere zu instrumentalisieren. Immer schön mit erhobenen Zeigefinger, damit die anderen schulmeisterlich belehrt werden können und sich richtig schlecht fühlen.

Weil: Ich habe es euch doch gesagt.

Das Geheimnis dahinter heißt Kommunikation. Schon die Oma meinte immer, wie es in den Wald hinein schallt … Und dann eben auch das Timing. Vielleicht kann man sowas oder ähnliches gerade denken und kann das auch mal ansprechen, aber jetzt ist vielleicht nicht der beste Zeitpunkt dafür. Und wenn es doch sein muss, weil es für den ein oder anderen wichtig ist, dann macht es ohne Vorwurf. 

Wieder andere stören sich total am Umgang des ein oder anderen mit der Situation. 

Gleich vornweg ich rede nicht von den goldenen Regeln der Virus-Krise:

Hände waschen. 

Abstand halten. 

Ruhe bewahren.

Zuhause Bleiben.

Risikogruppen unterstützen. 

Sozial bleiben.

Wer diese Dinge nicht auf die Kette bekommt, hat Probleme, die er nun gern in den nächsten Wochen der Ruhe und Besinnung mal angehen kann. Gibt dafür wunderbare Youtubevideos, Tutorials, Artikel und Selbsthilfegruppen, die man über Facebook oder Telefon jederzeit erreichen kann. 

Warum aber fällt es den Menschen so schwer, zu akzeptieren, dass ein Jeder etwas anders mit solch einer Situation umgeht? Ein Verhalten, das mir nicht erst im Zuge der Virus-Krise aufgefallen ist.

Ich durfte vor knapp einem Jahr miterleben, wie die Welt auf dich reagiert, wenn du einen tiefen schweren Verlust erleidest. Wie schnell jeder dabei ist dir zu erklären, wann du wie damit umzugehen hast. Und vor allem wann du wieder ins normale Leben einsteigen musst. Und schon da konnte ich immer nur daran denken, wie verrückt doch dieser Gedanke ist, dass jeder auf gleiche Weise mit solchen Dingen umzugehen hat. Und wie anmaßend es ist, dies zu beurteil. Darüber zu urteilen. 

Jetzt verurteilen die Einen die Anderen, wenn sie Witze machen. Weil sie glauben, dass man in so einer Situation nicht lachen darf? Weil daran nichts witzig ist? Okay, Letzteres stimmt irgendwie, aber trotzdem dürfen die das machen, weil das ihre Art ist nicht panisch zu werden. Nicht durchzudrehen.

Und das sollen die ja auch nicht.

Die Nächsten verurteilen die Anderen, weil sie über ihre Situation und ihre Langeweile klagen. Es steht ihnen nicht zu? Warum denn nicht? Auch das ist eine Form der Kompensation, des Umgangs. Jeder wie er es braucht. 

Die Folgenden, die tapfer weiter machen und sagen es wäre nicht so schlimm und man müsse das Positive sehen, die Gruppe der Verdränger, denen wird vorgeworfen, dass sie ignorant seien. Nein! Vielleicht müssen diese Menschen Gedanken an den Virus und Überlegungen dazu einfach von sich fernhalten, um durch die nächsten Wochen zu kommen. Und die dürfen das auch. 

Sehr schnell lässt sich feststellen, dass egal, wie du damit umgehst oder nicht umgehst, sich jemand finden lässt, der sich daran stört.

Ach wie wunderbar wäre es doch, wenn die Leute sich gegenseitig einfach Sein lassen würden. Vielleicht kann man diese Zeit nicht nur für Yoga, sondern auch für das Erlernen gegenseitiger Akzeptanz nutzen.

Einen Versuch wäre es wert.

Und zu Recht fragen sich einige:

Wie wird unsere Gesellschaft nach den Wochen und Monaten mit diesem Virus aussehen? Ich stimme all denen zu die sagen, dass uns diese Situation stark prägen wird und sich noch zeigt in welche Richtung unsere Gesellschaft sich entwickelt. 

Ob diese Entwicklungen nachhaltig sein werden, wage ich zu bezweifeln. Nicht das ich Pessimist wäre und zynisch bin (okay bin ich manchmal, gebe ich vor euch nicht zu), aber wenn man zurück in die Geschichte blickt, beweisen wir Menschen doch eine wirklich konsistente Dummheit, wenn es darum geht aus Fehlern, schwierigen Situationen und Herausforderungen zu lernen. Wir gehen für ein paar Wochen, die richtig harten für ein paar Monate geläutert durch die Welt und dann bedienen wir uns wieder alter Muster. Ist einfacher. Machen alle so. Bitte beweist mir, dass ich ein verbitterter Zauderer bin, der sich in uns allen täuscht.

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